Der Schmetterling hinter dem Zaun
Die Sonne kletterte gerade über die roten Ziegel des Nachbarhauses, als Mia die Augen aufschlug. Ein goldener Streifen Licht fiel durchs Fenster und legte sich warm auf ihr weiches, orangefarbenes Fell. Sie gähnte ausgiebig, streckte erst die Vorderpfoten weit von sich, dann die Hinterbeine, bis ihr ganzer kleiner Körper sich in einem wohligen Zittern spannte. Ein neuer Tag. Und jeder Morgen in diesem Garten begann auf dieselbe wunderbare Weise.
Mia sprang vom Fensterbrett, tapste durch die halb geöffnete Terrassentür und trat hinaus ins Freie. Der Rasen war noch feucht vom Tau, kühl unter ihren Pfoten, und der Duft von nassem Gras stieg ihr in die Nase, vermischt mit dem süßen Aroma der Rosen, die entlang des Weges blühten. Sie blinzelte in die Sonne und musterte ihr Reich, so wie sie es jeden Morgen tat, als müsse sie sich versichern, dass alles noch an seinem Platz war: die Blumenbeete mit den knallroten Tulpen und den gelben Ringelblumen, die efeuberankte Mauer, der knorrige Apfelbaum in der Mitte des Gartens, unter dessen Ästen sie so gerne döste, wenn die Nachmittagshitze zu groß wurde. Und dahinter, gemütlich und vertraut, das kleine Haus mit den roten Fensterläden, in dem…
