Der Riss im Himmel
Die Sonne sinkt hinter den Wipfeln des Flüsternden Waldes, und ihr letztes Licht ergießt sich wie geschmolzenes Kupfer über die schiefen Dächer von Aeloria. Der Marktplatz atmet den vertrauten Feierabendlärm: quietschende Räder, das Klappern zusammengefalteter Tischplatten, das Lachen müder Händler, die ihre letzten Äpfel und Kräuterbündel verstauen. Elara steht zwischen zwei Ständen, die Ärmel hochgekrempelt, und stapelt leere Weidenkörbe übereinander, während der Wind ihr eine Strähne kastanienbraunen Haares ins Gesicht weht.
Sie spürt es, bevor sie es sieht – dieses vertraute Prickeln, das sich von ihren Handflächen aus wie kleine Nadelstiche über die Fingerspitzen ausbreitet. Ein Schimmer, kaum wahrnehmbar, tanzt für einen Herzschlag über ihre Haut, bläulich und zart wie das Leuchten eines Glühwürmchens. Sofort presst sie die Hände zu Fäusten und schiebt sie in die Taschen ihrer Schürze, als könnte sie das Licht dort ersticken wie eine Kerzenflamme unter einem Glas.
„Alles in Ordnung, Kind?", fragt eine Stimme hinter ihr, weich wie abgetragenes Leder und ebenso vertraut.
Elara dreht sich um und findet ihre Großmutter Yssa, die mit einem Bund getrockneter Kräuter in den…




