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Krimi

Schweigen über Rabenmoor

Als eine angesehene Bürgerin der Kleinstadt Rabenmoor tot aufgefunden wird, muss ein zurückgezogener Ermittler mit eigener Vergangenheit die Wahrheit hinter der perfekten Fassade der Stadt aufdecken.

5 chaptersStory
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Opening

Der Fund im Nebel

Das Telefon riss ihn aus einem Schlaf, der ohnehin nur ein flaches Dahintreiben gewesen war. Anton Weiss lag noch einen Moment reglos da, lauschte dem schrillen Klingeln, das durch die kahlen Wände seines Hauses hallte, als wollte es die Stille dafür bestrafen, dass sie sich überhaupt hatte einnisten dürfen. Drei Uhr nachts gab es selten Gutes. Kurz vor Mitternacht erst recht nicht.

Er tastete nach dem Hörer, ohne das Licht anzuschalten. Die Dunkelheit kannte er besser als jeden Menschen in dieser Stadt.

„Weiss.“

„Herr Kommissar—" Die Stimme des diensthabenden Beamten zitterte, brach ab, setzte neu an. Junge Polizisten wie dieser hatten selten gelernt, mit dem Tod am Telefon umzugehen. „Es geht um die Bürgermeisterin. Frau Vogt. Man hat sie... im Garten gefunden. Sie ist tot.“

Weiss setzte sich auf. Das schmale Bett knarrte unter der Bewegung, ein vertrautes Geräusch in einem Haus, das ihm noch immer fremd vorkam, obwohl er seit über einem Jahr hier wohnte. „Wer hat sie gefunden?“

„Der Gärtner. Er wollte früh mit der Arbeit anfangen, wegen dem Frost, der kommen soll. Da lag sie schon.“

„Ist der Amtsarzt informiert?“

„Ja, er ist bereits unterwegs. Aber... die Kollegen vor…

Page 2

Verborgene Schatten

Das Büro der verstorbenen Bürgermeisterin lag hinter schweren, dunklen Holztüren, die nur selten geöffnet wurden, seit Helene Vogt nicht mehr dort saß. Der Raum roch nach altem Papier und einer Spur von Parfüm, das von der Frau stammte, die hier ihre Macht ausübte, ihre Entscheidungen traf und ihre Geheimnisse bewahrte. Marta Keil trat mit einem leisen Knarren der Dielen ein, das einzige Geräusch in dieser stillen Kammer voller Erinnerungen. Ihr Blick glitt über die akkurat gesäuberten Regale, die Reihen von Aktenordnern und den massiven Schreibtisch, auf dem ein vergilbtes Kalenderblatt vom letzten November lag – ein stummer Zeuge vergangener Tage.

„Hier hat sie also gearbeitet“, murmelte Marta, während sie vorsichtig die Schubladen durchwühlte, als fürchtete sie, jede Bewegung könnte das fragile Gleichgewicht der Geschichte zerbrechen. Weiss stand neben ihr, die Arme verschränkt, die Stirn in tiefe Falten gelegt. Sein Blick war wachsam, als würde er jeden Schatten nach einer verborgenen Wahrheit absuchen.

Die erste Schublade offenbarte überwiegend routinemäßige Dokumente: Sitzungseinladungen, Protokolle, Rechnungen. Doch die zweite, jene etwas kleinere, die unter dem…

Page 3

Die Masken fallen

Das Rathaus war an diesem Abend ungewöhnlich voll, die Luft schwer von gespannter Erwartung und dem leisen Murmeln der Versammelten, die sich zaghaft in den alten Gemäuern einfanden. Die hohen Fenster warfen blasses Licht auf die abgewetzten Holztische, und der schwere Kronleuchter über ihnen schien jeden Moment in sich zusammenzubrechen, als trüge er die Last der Geheimnisse, die sich hier gleich offenbaren sollten. Kommissar Weiss saß am Rand des Sitzungssaals, die Hände ineinander verschränkt, während Marta Keil mit ihrem Notizbuch auf den Knien wartete. Das Raunen der Bürger, die sich seit Stunden drängten, wurde mit jedem Moment lauter, als würden sie alle erahnen, dass an diesem Abend etwas Unausweichliches passieren würde.

Als der Bürgermeister den Hammer hob und zur Ruhe mahnte, verstummte die Menge allmählich, und ein kühler Windstoß ließ die schweren Vorhänge an den Fenstern sacht erzittern. „Meine Damen und Herren,“ begann der Mann mit zittriger Stimme, doch seine Augen verrieten die Unsicherheit, die hinter der Fassade lauerte. „Wir sind heute hier versammelt, weil die Ereignisse der letzten Wochen unsere Gemeinschaft erschüttert haben. Der plötzliche Tod unserer…

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