Die Farbe der Erinnerung
Der Karton mit der Aufschrift „Küche 2" hatte sich in der Ecke des Wohnzimmers festgesetzt, als wolle er sich vor dem Auspacken drücken. Lena kniete davor auf dem nackten Parkett, die Klebebandrolle in der Hand, und zögerte. Seit drei Tagen wohnte sie nun in dieser Wohnung, zweiundfünfzig Quadratmeter im dritten Stock eines Altbaus, dessen Fenster auf eine Straße blickten, die sie noch nicht kannte und die sie doch schon zu kennen glaubte. Alle Straßen in dieser Stadt ähnelten sich irgendwann, dachte sie, besonders wenn man sechzehn Jahre lang immer dieselben gegangen war.
Sie riss das Klebeband auf, und ein Geruch stieg ihr entgegen, der sie für einen Moment innehalten ließ. Es war der Duft der alten Wohnung, ein Gemisch aus Zimtkerzen, die Tom immer im Winter angezündet hatte, und dem Holzregal aus dem Baumarkt, das nie ganz nach frischem Holz gerochen hatte, sondern nach Leim und den Jahren, die darauf vergangen waren. Der Karton stammte offenbar noch aus der ersten Packrunde, aus jenen hektischen Tagen im Februar, als sie beide noch versucht hatten, höflich zueinander zu sein, während sie ihr gemeinsames Leben in Kisten sortierten wie Erbstücke nach einem Todesfall.
Zwischen…



