Cover of Nachdem ich mich verlor
Psychologischer Thriller

Nachdem ich mich verlor

by Josephine Schetelich

Eine packende Geschichte über Liebe, Verrat und die dunklen Geheimnisse, die in Beziehungen verborgen liegen. Als die Erzählerin für ihren Partner alles opfert, wird ihre Welt durch einen rätselhaften Mord erschüttert, der die Grenzen zwischen Vertrauen und Misstrauen verwischt.

20 chaptersStory
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Opening

Der Fund

Der Geruch war das Erste, was Frau Kowalski auffiel, noch bevor sie den Schlüssel im Schloss umdrehte. Ein süßlicher, schwerer Hauch, der sich unter der Wohnungstür hindurchgeschlichen hatte und sich im Treppenhaus mit dem Duft von frisch gebrühtem Kaffee aus der Nachbarwohnung vermischte. Sie hatte diesen Geruch noch nie zuvor wahrgenommen, doch etwas in ihr wusste sofort, dass er nichts Gutes bedeutete.

Seit vier Tagen hatte sie nichts von Lena gehört. Vier Tage, in denen die Zeitungen unbeachtet vor der Tür liegen geblieben waren, in denen das Licht im Flur der jungen Frau von unten durch den Türspalt schien, obwohl es draußen längst hell war. Anfangs hatte sich Frau Kowalski nichts dabei gedacht. Lena war oft verreist, ihre Arbeit als freiberufliche Grafikdesignerin brachte sie manchmal für Tage nach Berlin oder Hamburg. Aber die Zeitungen, die sich stapelten, und diese Stille – eine Stille, die anders klang als sonst, dichter irgendwie – hatten sie schließlich dazu bewogen, den Hausmeister zu bitten, ihr die Wohnung aufzuschließen.

„Sind Sie sicher, dass wir das machen sollten?", fragte Herr Brandt, während er mit dem Generalschlüssel hantierte. Seine Finger zitterten…

Page 2

Der Anfang von allem

Der dritte März begann mit Regen, einem feinen, unentschlossenen Nieseln, das sich nicht dazu durchringen konnte, entweder aufzuhören oder richtig loszulegen. Lena hatte an diesem Morgen keine Lust gehabt, in ihrer Wohnung zu bleiben, in der sich seit Tagen ein unfertiges Projekt über den gesamten Schreibtisch ausbreitete – Entwürfe für ein Logo, das einfach nicht die Form finden wollte, die sie sich vorgestellt hatte. Also hatte sie ihren Laptop eingepackt, den Kragen ihres Mantels hochgeschlagen und war losgezogen, ohne ein konkretes Ziel im Kopf, nur mit dem vagen Bedürfnis nach einer Umgebung, die anders roch als die eigenen vier Wände.

Das Café in der Bergmannstraße hatte sie schon oft von außen gesehen, ohne je hineinzugehen. Ein schmales Schaufenster, hinter dem warmes Licht flackerte, ein handgeschriebenes Schild mit der Tageskarte, das jemand mit schwungvoller Kreide an die Scheibe gemalt hatte. Heute jedoch, während der Regen ihr in den Nacken tropfte, erschien ihr die Tür wie eine Einladung, der sie nicht widerstehen konnte. Drinnen empfing sie der Duft von geröstetem Kaffee, gepaart mit einer Süße, die nach frisch gebackenem Kuchen roch, und für einen Moment blieb sie…

Page 3

Erste Verhöre

Katja Lindemann saß bereits im Vernehmungsraum, als Müller mit zwei Kaffeetassen in der Hand die Tür öffnete. Sie hatte sich klein gemacht auf dem unbequemen Plastikstuhl, die Arme um den Oberkörper geschlungen, als wäre ihr kalt, obwohl die Heizung im Revier auf höchster Stufe lief und der Raum eine trockene, drückende Wärme ausstrahlte. Ihre Augen waren rot gerändert, die Wimperntusche in kleinen dunklen Rändern unter den Lidern verschmiert, ein Zeichen, dass sie in den letzten Stunden mehr als einmal geweint hatte.

„Frau Lindemann", sagte Müller und stellte eine der Tassen vor sie auf den Tisch. „Danke, dass Sie so kurzfristig gekommen sind."

„Ich konnte doch nicht zu Hause sitzen bleiben, nachdem Sie mich angerufen haben", erwiderte sie, ihre Stimme brüchig, als würde jedes Wort eine Anstrengung erfordern, die sie kaum bewältigen konnte. „Ist es wahr? Ist Lena wirklich tot?"

Müller setzte sich ihr gegenüber, ließ einen Moment verstreichen, bevor er antwortete, eine kleine Pause, die er in solchen Situationen bewusst einsetzte, um der Trauer Raum zu geben, ohne sie zu forcieren. „Es ist wahr. Es tut mir leid."

Katja presste eine Hand vor den Mund, ihre Schultern begannen zu…

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