Die Risse im Schlaf
Der Wecker reißt Max um sechs Uhr zweiundvierzig aus einem Traum, dessen Bilder sich sofort in Nebel auflösen, kaum dass er die Augen öffnet. Nur ein Gefühl bleibt zurück, ein dumpfes Ziehen in der Brust, als hätte er etwas Wichtiges vergessen. Er starrt an die Decke seines Schlafzimmers, auf der sich die ersten grauen Lichtstreifen des Morgens abzeichnen, und versucht, sich zu erinnern. Da war ein Ort. Ein Himmel, der sich bewegte wie Wasser. Eine Stimme, die seinen Namen rief. Doch je mehr er danach greift, desto schneller zerrinnt es ihm zwischen den Fingern, bis nur noch die vage Ahnung bleibt, etwas Bedeutsames verpasst zu haben.
Er bleibt liegen, obwohl der Wecker längst verstummt ist, und lauscht dem monotonen Rauschen der Stadt, das durch das gekippte Fenster dringt. Ein Bus quietscht um die Ecke. Irgendwo bellt ein Hund, kurz und pflichtbewusst, als würde auch er nur eine Routine abspulen. Max reibt sich die Augen und setzt sich auf. Sein Rücken schmerzt, wie jeden Morgen, eine dumpfe Erinnerung an den ergonomisch fragwürdigen Stuhl in seinem Büro. Er blickt zu dem Stapel Skizzenblöcke auf seinem Nachttisch, unberührt seit Wochen, und schiebt den Gedanken beiseite, bevor…




