Cover of Der Traumfänger
Fantasy

Der Traumfänger

In einer Welt, in der Träume Realität werden, entdeckt ein gewöhnlicher Mann, dass er die Fähigkeit hat, seine Träume zu steuern. Auf seiner Reise lernt er, seine innersten Ängste und Wünsche zu konfrontieren, während er andere Menschen in ihren Träumen rettet.

10 chaptersStory
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Opening

Die Risse im Schlaf

Der Wecker reißt Max um sechs Uhr zweiundvierzig aus einem Traum, dessen Bilder sich sofort in Nebel auflösen, kaum dass er die Augen öffnet. Nur ein Gefühl bleibt zurück, ein dumpfes Ziehen in der Brust, als hätte er etwas Wichtiges vergessen. Er starrt an die Decke seines Schlafzimmers, auf der sich die ersten grauen Lichtstreifen des Morgens abzeichnen, und versucht, sich zu erinnern. Da war ein Ort. Ein Himmel, der sich bewegte wie Wasser. Eine Stimme, die seinen Namen rief. Doch je mehr er danach greift, desto schneller zerrinnt es ihm zwischen den Fingern, bis nur noch die vage Ahnung bleibt, etwas Bedeutsames verpasst zu haben.

Er bleibt liegen, obwohl der Wecker längst verstummt ist, und lauscht dem monotonen Rauschen der Stadt, das durch das gekippte Fenster dringt. Ein Bus quietscht um die Ecke. Irgendwo bellt ein Hund, kurz und pflichtbewusst, als würde auch er nur eine Routine abspulen. Max reibt sich die Augen und setzt sich auf. Sein Rücken schmerzt, wie jeden Morgen, eine dumpfe Erinnerung an den ergonomisch fragwürdigen Stuhl in seinem Büro. Er blickt zu dem Stapel Skizzenblöcke auf seinem Nachttisch, unberührt seit Wochen, und schiebt den Gedanken beiseite, bevor…

Page 2

Die Frau aus dem Traum

Der Donnerstagmorgen beginnt mit Regen, jenem feinen, hartnäckigen Nieselregen, der die Stadt in einen grauen Schleier hüllt und jeden Passanten dazu zwingt, den Kopf gesenkt zu halten. Max steht an der Bushaltestelle, den Kragen seiner Jacke hochgeschlagen, und starrt auf sein Handy, ohne wirklich etwas zu lesen. Die Postkarte mit der Adresse des Buchladens spukt ihm seit zwei Tagen im Kopf herum, ein leises, beharrliches Klopfen, das er mit Arbeit und Ablenkung zu übertönen versucht hat, ohne Erfolg.

Er hebt den Blick, als der Bus um die Ecke biegt, noch zwei Straßen entfernt, und in diesem Moment fällt sein Auge auf eine Gestalt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Eine Frau, die unter einem schwarzen Schirm geht, zielstrebig, mit einem Schritt, der keine Eile kennt und dennoch etwas Bestimmtes an sich hat. Ihr Mantel ist dunkelrot, fast bordeaux, ein Farbton, der sich scharf gegen das Grau der Stadt absetzt wie ein Tintenfleck auf nassem Papier. Max bemerkt sie zunächst nur beiläufig, so wie man Hunderte Gesichter am Tag registriert, ohne sie wirklich wahrzunehmen.

Dann dreht sie sich um.

Es ist nur ein kurzer Moment, ein flüchtiger Blick über die Schulter, als würde…

Page 3

Albschatten

Der Anruf kommt am nächsten Morgen, noch bevor Max überhaupt richtig wach ist. Lenas Stimme klingt gehetzt am Telefon, ganz anders als die kontrollierte Ruhe, die sie im Buchladen ausgestrahlt hatte. „Heute Abend, gleich nach der Arbeit. Kommen Sie zu mir, nicht in den Laden. Ich schicke Ihnen die Adresse."

Den ganzen Tag über schleicht sich die Erinnerung an das Flüstern zwischen die Pixel seines Bildschirms, zwischen die endlosen Korrekturschleifen am blauen Kreis für Nordstern. Immer wieder meint er, aus den Augenwinkeln eine Bewegung zu registrieren, ein Zucken der Schatten unter seinem Schreibtisch, das sich als nichts weiter herausstellt als das Flackern der Neonröhre über ihm. Brandt hält eine weitere Standpauke über mangelnde Kreativität, doch Max hört kaum zu, nickt zur richtigen Zeit, während sein Kopf längst bei der Dunkelheit zwischen den Lichttürmen verweilt.

Lenas Wohnung liegt im dritten Stock eines Altbaus, dessen Treppenhaus nach Wachs und altem Holz riecht. Als sie die Tür öffnet, wirkt sie erschöpft, mit Schatten unter den Augen, die Max' eigene Müdigkeit spiegeln. Sie bittet ihn herein, in ein Wohnzimmer, das vollgestellt ist mit Büchern, getrockneten…

The story continues with 7 more chapters

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