Im Schatten des Mondlichts
Der Wald von Elduryn atmete im Silberlicht des Vollmonds, als Elyara zwischen den uralten Eichen hindurchbrach, das Herz in der Kehle, die Lungen brennend vor Anstrengung. Hinter ihr splitterte Holz, als etwas Massives durch das Unterholz pflügte, unaufhaltsam, unermüdlich. Zweige peitschten ihr ins Gesicht, rissen dünne Schnitte in ihre Wangen, doch sie wagte es nicht, langsamer zu werden. Nicht jetzt. Nicht, wo die Schatten begonnen hatten, ein Eigenleben zu entwickeln.
Sie hatte es zuerst für eine Täuschung des Mondscheins gehalten, ein Spiel aus Licht und dunklen Ästen. Dann hatten sich die Schatten zwischen den Bäumen erhoben, hatten Gestalt angenommen, Klauen aus reiner Finsternis, Augen wie erloschene Sterne. Der Fluch, von dem ihre Großmutter ihr in geflüsterten Warnungen erzählt hatte, war kein Märchen mehr. Er war real, und er jagte sie mit einer Zielstrebigkeit, die ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Elyara!" Nocthars Stimme durchschnitt das Rauschen der Blätter wie eine Klinge. Er tauchte aus dem Dickicht zu ihrer Linken auf, sein dunkles Haar vom Wind zerzaust, die violetten Augen im Mondlicht seltsam leuchtend. „Hierher, schnell!"
Sie folgte ihm ohne…




