Risse im Gleichgewicht
Das Licht kam zuerst über die östlichen Türme, ein zartes Rosa, das sich in den polierten Kuppeln Eldorias brach und tausendfach zurückgeworfen wurde, als hätte die Stadt selbst beschlossen, den Morgen zu feiern. Elyara stand auf dem breiten Wall, der die innere Stadt umschloss, die Klinge in beiden Händen, und ließ den Atem in einem langen, gleichmäßigen Strom entweichen. Unter ihr erwachte Eldoria: Händler schoben ihre Karren über die weißen Pflastersteine, Kinder liefen barfuß zwischen den Springbrunnen, und irgendwo läutete eine Glocke zum ersten Gebet. Alles klang nach Frieden. Alles sah aus wie das Ende einer Geschichte, die gut ausgegangen war.
Und doch spürte Elyara, wie sich unter ihren Rippen etwas zusammenzog, ein Ziehen, das nicht von der Anstrengung des Trainings herrührte. Sie hielt inne, die Schwertspitze im Sand, und lauschte in sich hinein, als könnte sie das Gefühl beim Namen nennen, wenn sie nur lange genug still verharrte. Es war kein Schmerz. Eher ein Echo – als hätte irgendwo, weit entfernt, eine Saite angeschlagen, deren Klang erst jetzt, verzögert und verzerrt, bei ihr ankam.
Seit zwei Jahren lebte sie mit dem Titel einer Kriegerin, die die Welt gerettet…




